"In einer ausgewogenen Ernährung ist alles ausreichend vorhanden!” Wer hat diesen Satz nicht schon mal gehört? Und das mag auch stimmen, wenn man sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt, seine Ernährung gut plant, Zeit und Geld hat zum Kochen und Einkaufen. Doch wer hat das? Schauen wir uns mal den aktuellen Zustand der Ernährung an (wie er ist und nicht wie er sein könnte) und was da am häufigsten fehlt. Zur Einschränkung: die Daten beruhen auf einer Erhebung von 2008, das kann sich natürlich vielleicht etwas geändert haben. Des weiteren beziehen sie sich auf den Durchschnitt spezielle Ernährungsformen (vegan, keto, karnivor) haben da eigene “Herausforderungen”. 1. Vitamin D Das Sonnenvitamin! Vitamin D ist an vielen Prozessen des Energie- und Kalziumstoffwechsels beteiligt und agiert als hormonähnliche Substanz in unserem Körper. Unsere Körper können zu einem gewissen Grad unter Zuhilfenahme von Sonnenlicht Vitamin D selber produzieren. Leider reicht das insbesondere im Winter nicht aus, so dass wir Vitamin D mit der Nahrung aufnehmen müssen. Jedoch kommen 82% der Männer und 91% der Frauen nicht auf die empfohlene Menge von 5 µg/Tag Vit.D Aufnahme über die Ernährung. 2. Jod Jod ist ein immens wichtiger Stoff in unserem Körper, der vor allem für die Funktion der Schilddrüse und die Produktion des Schilddrüsenhormons benötigt wird. Während früher insbesondere in Süddeutschland viele Menschen an einem Jod-Mangel litten galt dieser in den 70 bis 90 Jahren als beseitigt. Jedoch zeigt eine Erhebung des Landwirtschaftsministeriums, dass das Problem leider wieder aktuell ist und wird. 96% der Männer und 97% der Frauen erreichen die empfohlene Menge von 200 µg/Tag ohne Jodsalz nicht. 3. Folsäure Folsäure gehört zu den B-Vitaminen. Sie ist an einer großen Zahl von Stoffwechselprozessen beteiligt und daher wichtig für alle Zellteilungs- und Wachstumsprozesse. Bei einem Mangel können Krankheitssymptome wie Blutarmut, Verdauungsstörungen und Veränderungen an den Schleimhäuten auftreten. Besonders ungeborene Kinder benötigen Folsäure für die Entwicklung des Nervensystems. Dennoch erreichen fast 80% der Bevölkerung die empfohlene Menge von 400µg tägl. nicht, insbesondere für schwangere Frauen ist eine Supplementierung oft sinnvoll. 4. Vitamin B12 Ein wichtiges Vitamin für das Nervensystem. Ohne eine ausreichende Zufuhr kann das Nervensystem nicht funktionieren und es können Symptome entstehen wie Fatigue, Müdigkeit, Konzentrations- und Erinnerungsstörungen bis zu der sog. Wernicke-Encephalopathie. Unter normalen Umständen erreichen ca. 8% der Männer und 26% der Frauen die empfohlene Einnahmemenge von 3 µg/Tag nicht. Zusätzlich kann die Aufnahme von Vit. B12 auch durch andere Faktoren wie Alkohol und Magenschleimhautentzündungen behindert sein. 5. Eisen (für Frauen) Eisen benötigt der Körper für viele Prozesse an denen Sauerstoff beteiligt ist, insbesondere aber für die Zellatmung. Eisen ist Bestandteil des roten Blutfarbstoffs, der für den Transport des Sauerstoffs von der Lunge in die Organe notwendig ist. Da Frauen durch ihre Regelblutung viel Eisen verlieren ist für sie eine ausreichende Zufuhr besonders wichtig. Jedoch erreichen fast 80% der Frauen im gebärfähigem Alter die empfohlene Menge von 15 mg/Tag nicht. 6. Selen Selen als essentielles Spurenelement spielt eine entscheidende Rolle in unserem Körper, insbesondere im Immunsystem, bei der Schilddrüsenfunktion und in der Inaktivierung von oxidativem Stress (ROS). Die Böden in Europa sind eher selenarm und daher ist die Selenversorgung eher schlecht. In Deutschland darf dem Tierfutter Selen zugesetzt werden, so dass wir Selen über die Nahrung hauptsächlich durch tierische (lokal erzeugten) Produkte zu uns nehmen. Eine Metaanalyse aus 2023 fand heraus das die durchschnittliche Selenkonzentration im Blut in Dtschl. bei ca. 82 μg/L liegt, was sich am Unterrand des Optimalbereichs (79–124 μg/L) befindet. 7. Proteine Kein Mikro- sondern ein Makronährstoff. Es wird immer deutlicher wie wichtig eine gute Proteinzufuhr für den Körper und die Gesundheit ist. Kontrovers ist die Menge, während die DGE bei einer Versorgung von 0,8g/kg/Tag für ausreichend zur Vermeidung eines Mangels hält, sehen internationale Fachgesellschaften (zB die ISSN) eher eine Menge von 1,6 g als optimal an. Während selbst die Minimalmenge nur von ca. 85% erreicht wird, ist das Erreichen der Optimalmenge sehr selten (die mittlere Proteinzufuhr in D. liegt bei ca. 79g/Tag). Quellen: 1. Nationale Verzehrstudie II (2008) - Max Raubner Institut - https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVS_II_Abschlussbericht_Teil_1_mit_Ergaenzungsbericht.pdf ; https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf 2. Bundesamt für Risikobewertung- Bericht zu Folsäure - https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2005/30/folsaeureversorgung_in_deutschland_ist_unzureichend-6844.html 3. Hughes DJ, et al.. Prediagnostic selenium status and hepatobiliary cancer risk in the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition cohort. Am J Clin Nutr. 2016 Aug;104(2):406-14. doi: 10.3945/ajcn.116.131672. 4. Liaskos M, Fark N, Ferrario P, Engelbert AK, Merz B, Hartmann B, Watzl B. First review on the selenium status in Germany covering the last 50 years and on the selenium content of selected food items. Eur J Nutr. 2023 Feb;62(1):71-82. doi: 10.1007/s00394-022-02990-0. Epub 2022 Sep 9. PMID: 36083522; PMCID: PMC9899741.
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