LevelUp Lifestyle Newsletter - Longevity Konzept Update 2026


Hi Reader,

einen wunderschönen guten Morgen / Tag / Abend :-)

Anfang 2025 habe ich auf Instagram einen Post veröffentlicht, der bis heute zu meinen erfolgreichsten gehört: „Longevity — ein Konzept!" Die Idee: nicht wahllos Tipps sammeln, sondern rückwärts denken. Erst schauen, woran wir tatsächlich sterben — dann dort gegensteuern, wo es am meisten bringt. Seitdem gibt es neue Zahlen und neue Erkenntnisse, und ein paar Dinge sage ich heute etwas anders als damals. Gehört dazu. Hier ist das Update 26.

viel Spaß beim Lesen..

Das Longevity Konzept - rückwärts denken

Gut 80 Jahre leben wir in Deutschland im Schnitt — rund 69 davon in guter Gesundheit (WHO-Schätzung). Um die Jahre dazwischen geht es. Der Weg zu mehr gesunden Jahren: erst die größten Gefahren kennen, dann gezielt gegensteuern.

Die größten Gefahren sind nach wie vor die Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen und der Krebs. Spannend wird es, wenn man nach Alter schaut — gerade bei Frauen: Zwischen 35 und 64 gehen 45,9 % der Todesfälle auf Krebs zurück und nur 14,4 % auf Herz-Kreislauf. Ab 80 dreht sich das Bild: 42,1 % Herz-Kreislauf, 13,5 % Krebs. Bei Männern zeigt sich dieselbe Richtung, etwas weniger ausgeprägt.

Heißt das, Du kannst die Vorsorge staffeln? Leider nein. Die Muskeln, die Dich mit 85 vor einem Sturz bewahren, die Gefäße, die mit 80 noch offen sein sollen — beides entsteht Jahrzehnte vorher. Woran wir sterben, hängt vom Alter ab. Wann die Prävention beginnt, nicht: immer jetzt.

Die Gefahren — Stand 2024

Die aktuellste Todesursachen-Statistik (Destatis 2024) sortiert so: Herz & Gefäße 33,7 % · Krebs 22,9 % · Lunge & Infektionen 10,5 % (inkl. COPD) · Demenz 6,1 % · Unfälle 3,4 % · und die Psyche als Querschnittsgefahr, die in alle anderen hineinwirkt.

Drei Dinge habe ich gegenüber dem Original aktualisiert: Demenz ist keine „indirekte" Gefahr, sondern selbst Todesursache Nummer 4 — die Fallzahlen steigen vor allem, weil wir älter werden; das persönliche, altersbezogene Risiko sinkt in Europa eher. Bei den Unfällen dominiert nicht der Verkehr, sondern der Sturz: Zwei Drittel der tödlichen Unfälle sind Stürze, meist zu Hause. Und „Infektionen" heißt ehrlicherweise „Lunge & Infektionen", weil die COPD mit drinsteckt — die kommt meist vom Rauchen und ist gar nicht ansteckend.

Killer Nummer 1: die Gefäße

Gefäßerkrankungen fangen meist im jungen Alter an und bilden langsam, schleichend Veränderungen und schließlich Engstellen aus. Je nach Organ führt das zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche oder der „Schaufensterkrankheit" (pAVK).

Was Du tun kannst — Baustelle 1, die Blutfette: Einmal im Leben das genetische Risiko bestimmen lassen (Lp(a); über 50 mg/dl heißt erhöhtes Risiko). Dein LDL-Ziel hängt von Deinem persönlichen Risiko ab — die Spanne reicht von unter 55 bis unter 116 mg/dl, eine Zahl für alle gibt es nicht (so sehen das inzwischen auch die europäischen Kardiologen). ApoB ist das präzisere Zweitziel, ebenfalls risikoabhängig. Dazu: viele Ballaststoffe (ca. 30 g am Tag), weniger gesättigte Fette, Sport — und wenn das nicht reicht, gibt es wirksame Medikamente.

Baustelle 2, die chronische Entzündung: Inzwischen weiß man, dass auch chronische Entzündungen der Gefäßwände ein großer Faktor sind — sie machen die Wände „porös" und anfällig für Einlagerungen und Verkalkung. Die Treiber sind Zucker ((Prä-)Diabetes — HbA1c checken), zu viel Körperfett, Rauchen und die mechanische Dauerlast durch Bluthochdruck (Salz runter, Bewegung, ggf. Medikamente). Zum Blutdruck kommt demnächst ein eigener Gefäß-Check — das Thema hat mehr verdient als einen Absatz.

Krebs: Früh finden ist gut. Verhindern ist besser.

Ein Teil der Krebserkrankungen entsteht schlicht zufällig. Aber daneben gibt es eine ganze Reihe reduzierbarer Risikofaktoren: Rauchen und Alkohol, UV-Strahlung.

Chronische Entzündungen vermeiden: Körperfett reduzieren, chronischen Stress ernst nehmen, ausreichend Schlaf, Bewegung. Und Impfungen — mehrere Krebsarten werden durch Viren ausgelöst; die HPV-Impfung schützt Frauen und Männer.

Wenn Du Kinder oder Enkel hast: Das ist ein Gespräch wert.

Früherkennung findet Krebs früher — verhindern können ihn die meisten Tests nicht. Die Ausnahmen: Darmspiegelung und Zervix-Abstrich, die Vorstufen entfernen können. Umso besser, dass sich bei der Kassenvorsorge gerade einiges tut: Darmspiegelung für Frauen schon ab 50 (seit 04/2025), Mammographie-Screening bis 75 (seit 07/2024), und seit April 2026 ein jährliches Niedrigdosis-CT der Lunge für starke Raucher:innen zwischen 50 und 75 — auch für Ehemalige, wenn der Rauchstopp weniger als zehn Jahre zurückliegt.

Der Kopf: Demenz und Psyche

Bis zu 45 % der Demenzfälle hängen laut Lancet-Kommission 2024 mit 14 beeinflussbaren Faktoren zusammen. Die größten Einzelposten: unbehandelter Hörverlust und hohes LDL in der Lebensmitte — Letzteres mutmaßlich über die Gefäße des Gehirns, was mir als Gefäßmediziner sehr nahe liegt. Mein „Sehen und Hören" aus dem Original-Post war also eine gute Intuition; inzwischen steht es im Lancet.

Was Du tun kannst: 150 Minuten Bewegung pro Woche. 7–8 Stunden guter Schlaf. Blutdruck und LDL kennen. Soziale Kontakte aktiv pflegen. Neues lernen — Sprache, Instrument, egal was. Stress und Depression ernst nehmen. Und: Sehen und Hören kontrollieren (und versorgen) lassen.

Die Psyche selbst ist eine Querschnittsgefahr. Rund 10.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr durch Suizid. Depression ist behandelbar — und sich Hilfe zu holen ist ein Zeichen von Stärke.

Wenn es Dir gerade nicht gut geht: Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr für Dich da — 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. Du musst das nicht allein tragen.

Stürze & Infekte: für Dich und Deine Eltern

Der Befund, der mich beim Zahlenziehen am meisten beschäftigt hat: Ab 65 sterben in Deutschland rund 12-mal mehr Menschen bei Unfällen im Haushalt als im Straßenverkehr — meist nach einem Sturz, drei von vier Betroffenen über 80. Zwei Risikofaktoren stechen heraus: zu wenig Muskelmasse (Sarkopenie) und ein schlechtes Gleichgewicht. Beides ist trainierbar — Programme aus Kraft- und Gleichgewichtstraining senken die Sturzrate um rund ein Drittel. Deshalb: Kraftsport (besonders wichtig), Gleichgewichtstraining, Ausdauer.

Dazu die Infekte: Mit höherem Alter können banale Erreger gefährlich werden. Ein gut funktionierendes Immunsystem braucht ausreichend Schlaf, Impfungen nach persönlichem Risiko (das Gespräch dazu gehört in die Hausarztpraxis — idealerweise jetzt im Herbst) und eine ausreichende Nährstoffversorgung...

Beim Protein bin ich bewusst anspruchsvoller als die Fachgesellschaften: Die nennen für Gesunde ab 65 mindestens 1,0–1,2 g pro kg Körpergewicht und Tag. Nach meiner Studienlektüre der letzten Jahre halte ich 1,5–2 g/kg für die bessere Zielgröße — gerade im Alter, wo der Körper auf Protein träger reagiert und Muskelerhalt zur Überlebensfrage wird. Das ist meine Position, deshalb stehen hier beide Zahlen. (Bei einer Nierenerkrankung: vorher ärztlich klären.).

Und zu Vitamin D, Zink & Co. eine ehrliche Ansage: Theoretisch deckt eine abwechslungsreiche Ernährung das alles ab. Praktisch isst kaum jemand dauerhaft so „normativ abwechslungsreich", wie es die Theorie verlangt — das schafft man nur mit echtem Planungsaufwand. Erste Aufgabe ist also, reale Lücken auf die Norm aufzufüllen. Im Zweifel: Status ärztlich bestimmen lassen statt raten.

Die Übersicht: eine Stellschraube pro Gefahr

Herz & Gefäße → LDL, ApoB und Blutdruck kennen, Lp(a) einmal messen, Sport. Krebs → nicht rauchen, minimal Alkohol, Vorsorge nutzen. Lunge & Infekte → rauchfrei, Impfungen, Sport, Nährstoffe. Demenz & Psyche → Hören und Sehen versorgen, Kontakte pflegen, Neues lernen. Stürze → Kraft- und Gleichgewichtstraining, ausreichend Protein.

Fällt Dir etwas auf? Bewegung — Kraft und Ausdauer — ist der Hebel mit dem größten Einfluss auf fast alle Gefahren. Wenn Du nur eine Sache aus diesem Newsletter mitnimmst, dann die.

Zum Schluss, weil es dazugehört: Vieles davon sind Zusammenhänge aus Beobachtungsdaten, keine Garantien. Wer alles „richtig" macht, kann trotzdem krank werden — dann hat niemand versagt. Das Konzept sortiert Wahrscheinlichkeiten, mehr nicht. Aber genau das macht es so brauchbar.

Dieser Newsletter dient ausschließlich der allgemeinen Information und Bildung. Er begründet kein Arzt-Patienten-Verhältnis und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Zielwerte sind risikoabhängige Orientierungen — bitte sprich sie mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt ab.

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt (Destatis). Statistischer Bericht — Todesursachen in Deutschland 2024; Tabellen Sterbefälle nach Alter und Unfallkategorien.
  2. WHO Global Health Observatory. Lebenserwartung und gesunde Lebenserwartung (HALE), Deutschland 2021.
  3. Mach F et al. (2025). 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. PMID 40878289
  4. Mach F et al. (2020). 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. Eur Heart J. PMID 31504418
  5. McEvoy JW et al. (2024). 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension. Eur Heart J. PMID 39210715
  6. Wolters FJ et al. (2020). Twenty-seven-year time trends in dementia incidence in Europe and the United States: The Alzheimer Cohorts Consortium. Neurology. PMID 32611641
  7. Moore SC et al. (2016). Association of Leisure-Time Physical Activity With Risk of 26 Types of Cancer in 1.44 Million Adults. JAMA Intern Med. PMID 27183032
  8. Falcaro M et al. (2024). Effect of the HPV vaccination programme on incidence of cervical cancer and grade 3 cervical intraepithelial neoplasia by socioeconomic deprivation in England: population based observational study. BMJ. PMID 38749552
  9. Bretthauer M et al. (2023). Estimated Lifetime Gained With Cancer Screening Tests: A Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. JAMA Intern Med. PMID 37639247
  10. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Positionspapier Alkohol, 08/2024.
  11. Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Beschlüsse Darmkrebs-Früherkennung (04/2025), Mammographie-Screening bis 75 (07/2024), Lungenkrebs-Früherkennung per Niedrigdosis-CT (04/2026).
  12. Livingston G et al. (2024). Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission. Lancet. PMID 39096926
  13. Lin FR et al. (2023). Hearing intervention versus health education control to reduce cognitive decline in older adults with hearing loss in the USA (ACHIEVE): a multicentre, randomised controlled trial. Lancet. PMID 37478886
  14. Noetel M et al. (2024). Effect of exercise for depression: systematic review and network meta-analysis of randomised controlled trials. BMJ. PMID 38355154
  15. Sherrington C et al. (2019). Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database Syst Rev. PMID 30703272
  16. Bauer J et al. (2013). Evidence-based recommendations for optimal dietary protein intake in older people: a position paper from the PROT-AGE Study Group. J Am Med Dir Assoc. PMID 23867520
  17. STIKO/RKI. Impfempfehlungen, Stand 09/2026.
  18. Jolliffe DA et al. (2025). Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory infections: systematic review and meta-analysis of stratified aggregate data. Lancet Diabetes Endocrinol. PMID 39993397
  19. Nault D et al. (2024). Zinc for prevention and treatment of the common cold. Cochrane Database Syst Rev. PMID 38719213
  20. Naghshi S et al. (2020). Dietary intake of total, animal, and plant proteins and risk of all cause, cardiovascular, and cancer mortality: systematic review and dose-response meta-analysis of prospective cohort studies. BMJ. PMID 32699048
  21. Kodama S et al. (2009). Cardiorespiratory fitness as a quantitative predictor of all-cause mortality and cardiovascular events in healthy men and women: a meta-analysis. JAMA. PMID 19454641
  22. Lear SA et al. (2017). The effect of physical activity on mortality and cardiovascular disease in 130 000 people from 17 high-income, middle-income, and low-income countries: the PURE study. Lancet. PMID 28943267
  23. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Protein (2017).

Das wars für dieses Mal. Bis demnächst. Schreibt mir gerne Eure Themenwünsche falls Dich etwas interessiert bei dem Du gerne mehr wissen willst.

Hast Du noch Fragen, Wünsche, Kritik oder einfach nur Anmerkungen?

Dann schreib mir doch gerne:

karsten@konzept-health.de

Alles Gute, wir schreiben uns,

Karsten

Folge mir doch gerne auf meinen Social-Media Kanälen:

600 1st Ave, Ste 330 PMB 92768, Seattle, WA 98104-2246
​Unsubscribe · Preferences​

background

Subscribe to LevelUp Lifestyle